Stresstest: Kuhstall vs. Großstadt

Landbewohner mit engem Kontakt zu Nutztieren können Stresssituationen immunologisch viel besser bewältigen als Großstädter, die ohne Haustiere aufgewachsen sind. Dabei spielen auch Bakterien eine Rolle, mit denen Menschen sehr Jahrtausenden friedlich zusammenleben, die es in Städten jedoch schwer haben.

Eine internationale Studie unterzog gesunde Probanden einem Stresstest und  verglich ihre Immunzellen und andere Stressparameter wie Cortisol vorher und nachher. Ein Teil der Probanden war auf Bauernhöfen mit Nutztierhaltung aufgewachsen, der andere Teil in Großstädten und ohne Tiere.

Die Landbewohner empfanden subjektiv mehr Stress als die Großstädter, ihr Immunsystem reagierte auf den Stresstest jedoch weniger stark als das der Vergleichsgruppe.

Darüber hinaus wurde bei den Städtern nach dem Test weniger Interleukin 10 gemessen. Das ist ein antientzündlich wirkender Botenstoff des Immunsystems. Bei den Landbewohnern hat sich dieser Wert nicht verringert.

Für die Gesundheit sind überschießende Immunantworten ein Problem, weil diese häufig zu chronischen Entzündungsreaktionen führen. „Solche Prozesse spielen beispielsweise bei der Entstehung von Asthma und allergischen Erkrankungen eine Rolle, vergrößern aber auch das Risiko für psychische Erkrankungen wie beispielsweise Depressionen und Posttraumatische Belastungsstörungen, erläutert der an der Studie beteiligte Ulmer Psychoneuroimmunologe Professor Stefan Reber.

Menschen in Großstädten sind überdurchschnittlich anfällig für Allergien, Asthma und psychische Erkrankungen. Die „missing microbes“-Hypothese besagt, dass dabei der fehlende Kontakt zu bestimmten Bakterien eine Schlüsselrolle spielt.
Weitere Studien, die die Zusammenhänge untersuchen, sollen folgen.

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